Bruch des Kahnbeins (Scaphoidfraktur)

Falschgelenkbildung des Kahnbeins (Scaphoid-Pseudarthrose)

Krankheitsbild:

Der Bruch (Fraktur) des Kahnbeins ist der häufigste Bruch der Handwurzelknochen beim Menschen. Als Unfallmechanismus wird in der Regel ein Sturz auf das überstreckte Handgelenk angegeben. Wird die Fraktur übersehen oder nicht adäquat behandelt, so besteht aufgrund einer schlechten Durchblutungssituation ein erhöhtes Risiko, dass Bruchstücke absterben oder sich ein Falschgelenk ausbildet (Pseudarthrose).
Die durch den Bruch bedingte Verkippung des Kahnbeins führt nach Monaten bis Jahren zur Ausbildung einer Handgelenksarthrose. Eine frühzeitige Diagnose hilft, um Spätkomplikationen zu vermeiden. Oftmals berichten die Patienten über unfallbedingte Schmerzen im Bereich des speichenseitigen Handgelenks, die nur einige Tage andauern. Auch ein möglicher Schwellungszustand kann nur mäßig ausgeprägt und nach kurzer Zeit verschwunden sein.

Bei dem Verdacht auf einen Kahnbeinbruch werden spezielle Kahnbeinröntgenaufnahmen angefertigt. Abhängig von den Beschwerden muss bei fehlendem Frakturnachweis gegebenenfalls eine Nachuntersuchung mit Röntgenkontrolle erfolgen. Besteht weiterhin der hochgradige Verdacht auf einen Kahnbeinbruch, kann über eine Computertomographie die Diagnose gesichert oder ausgeschlossen werden.

Therapiemöglichkeiten:

Prinzipiell bestehen in Abhängigkeit vom Bruch sowohl konservative als auch operative Therapiemöglichkeiten. Bei einem nicht verschobenen Bruch mit ausreichender Durchblutung kann eine Kahnbeingipsbehandlung über 5 Wochen erfolgen. Danach wird über eine Röntgenkontrolle die Bruchheilung überprüft. Alle übrigen Kahnbeinbrüche sollten einer operativen Versorgung zugeführt werden.

Operation:

Die Operation erfolgt für gewöhnlich in einer Armbetäubung (Plexusanästhesie) unter stationären Bedingungen. Durch einen ca. 3 bis 4cm langen Hautschnitt über dem Kahnbein erfolgt die Operation. Hierbei werden die Bruchstücke wieder zusammengefügt und mit einer Schraube oder Metalldrähten fixiert.
Die Operation dauert ca. 1 bis 1,5 Stunden. Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes richtet sich nach den postoperativen Schmerzen und beträgt ca. 3 bis 5 Tage.
Unmittelbar postoperativ erfolgt die Schmerzbehandlung über einen Schmerzkatheter, der den betroffenen Arm betäubt. Die Schmerzmedikamente werden im stationären Verlauf auf Tabletten umgestellt. Der erste Verbandswechsel erfolgt am Folgetag der Operation.

Nachbehandlung:

Die Entfernung des Nahtmaterials ist ca. 14 Tage nach der Operation vorgesehen. Die angepasste Gipsschiene sollte eine Woche getragen werden. Danach erfolgt die Umstellung auf eine Kahnbeinschiene für weitere 3 Wochen. Gegebenenfalls kann danach eine krankengymnastische Übungsbehandlung zur Optimierung der Bewegungsumfänge des Daumens nötig sein.
Nach Entfernung des Gipses wird eine Röntgenaufnahme zur Bestätigung der Bruchheilung angefertigt.  Die betroffene Hand sollte ca. 6 Wochen geschont werden.

Risiken:

Eine typische Komplikation bei nicht erkannten Kahnbeinbrüchen ist die Falschgelenkbildung  (Pseudarthrosebildung). Aufgrund der Verkippung des Kahnbeins führt die unbehandelte Pseudarthrose häufig zum Handgelenksverschleiß (Arthrose).
Wird die Pseudarthrose rechtzeitig erkannt, so besteht die Möglichkeit einer operativen Anfrischung der Bruchränder. Der entstehende Substanzdefekt des Kahnbeins wird mit einem Knochenstück vom  Beckenkamm überbrückt. Hierfür ist ein zusätzlicher Schnitt am Beckenkamm von ca. 7 cm Länge nötig. Die Operationsdauer verlängert sich um ca. 1 Stunde.

Für die Entnahme des Knochenmaterials ist eine kurze Vollnarkose nötig. Zur Verhinderung einer Blutergussbildung wird eine Drainage unter die Haut gelegt, welche bei geringer Fördermenge nahezu schmerzfrei entfernt werden kann. Das Aufstehen aus dem Bett kann durch die Schmerzen am Beckenkamm erschwert sein. Mit leichten Schmerzmedikamenten sollte aber eine gute Mobilisierung möglich sein.
Die Gipsruhigstellung kann im Vergleich zu einem einfachen Kahnbeinbruch etwas verlängert sei. Die eingebrachten Schrauben müssen nicht wieder entfernt werden.