Leistungsspektrum

Die Anästhesieabteilung betreut ca. 2500 Patienten jährlich. Es kommen alle modernen Narkoseverfahren zur Anwendung, um Schmerzausschaltung für operative Eingriffe zu erzielen. Der  Anteil an Regionalanästhesien ist mit über 60% an unserem Haus sehr hoch, um das Narkoserisiko gegenüber den sonst üblichen Vollnarkosen zu minimieren.

Neben der Schmerzausschaltung ist der Anästhesist für die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen (besonders Atmungs- und Herz-Kreislauffunktion) sowie für die Schaffung optimaler Voraussetzungen für den operativ tätigen Arzt verantwortlich.

Am Tag vor dem Eingriff beurteilt der Anästhesist zusammenfassend alle bisher vorgenommenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen des Patienten. Sehr wichtig ist hierbei das anästhesiologische Aufklärungsgespräch zur Erfassung der Krankenvorgeschichte und des Narkoserisikos. Hierbei erhalten die Patienten Gelegenheit, alle offenen Fragen zu klären.

Bei Patienten mit besonderen Risikofaktoren werden bereits Tage vor der Operation von einem Fachanästhesisten Maßnahmen zur Verbesserung des präoperativen Allgemeinzustandes eingeleitet, gegebenenfalls unter Hinzuziehung und Mitbetreuung der internistischen Abteilung.

Am Operationstag erhalten unsere Patienten vor dem chirurgischen Eingriff Medikamente zur Beruhigung und Verbesserung der postoperativen Befindlichkeit. Nach der Operation werden alle Patienten im Operationsbereich von geschultem Personal überwacht und  erhalten bei Bedarf weitere schmerztherapeutische Medikamente. Erst wenn unsere Patienten gut ansprechbar, kreislauf- und atemstabil sowie schmerzfrei sind, werden sie auf die Station verlegt.

Die frisch operierten Patienten werden durch ihren Anästhesisten am OP Tag selbst und falls erforderlich bis zum 1. postoperativen Tag betreut. Dabei stehen eine gezielte und individuell abgestimmte Schmerztherapie und das subjektive Wohlbefinden unserer Patienten im Vordergrund.

Die Anästhesieabteilung nimmt sich auch schwerer Schmerzzustände an. Das bedeutet, dass Wundschmerzen nach großen Operationen mittels einer permanenten Leitungsanästhesie durch einen sogenannten Schmerzkatheter (z.B. Periduralkatheter,  Plexuskatheter oder andere Kathetertechniken) behandelt werden.

Die modernen Anästhesieverfahren ermöglichen in Kombination mit der Intensivbehandlung immer mehr Patienten auch große chirurgische Eingriffe – selbst in hohem Alter oder bei schwerer Vorerkrankung – ohne Schaden zu überstehen.

Behandlungsablauf

  • Anästhesieaufklärungsgespräch

    Das Aufklärungsgespräch zwischen Patient und Narkosearzt, das auch als Prämedikationsgespräch bezeichnet wird, muss bei elektiven (geplanten) Eingriffen mindestens einen Tag vor der chirurgischen Intervention erfolgen. Hierbei werden das Narkoseverfahren und die Risiken besprochen. Es wird festgelegt, welche weiteren Voruntersuchungen zur OP noch erforderlich sind.

    Nur bei Notfällen und dringlichen Operationen erfolgt die Aufklärung am gleichen Tag in der Ambulanz oder auf der Station, unmittelbar vor dem chirurgischen Eingriff.

  • Vorbereitung zur OP

    Essen ist am Tag vor der Operation  bis 24 Uhr möglich, Trinken bis 6 Uhr morgens, schluckweise klare Flüssigkeit ohne Fett (z.B. stilles Wasser, Tee), jedoch keinen Kaffee, Alkohol, keine Milch oder Säfte. Rauchen bis 24 Uhr, Rauchverbot bis spätestens 6 Stunden vor Beginn der Anästhesie. Kurz bevor der Patient auf der Station die Prämedikation erhält (Beruhigungsmittel), muss dieser sich umziehen (OP-Hemd und Hose, Antithrombosestrümpfe und Kopfhaube). Jegliche Metallgegenstände am Körper (Ringe, Piercing) müssen abgelegt werden (Gefahr von Verbrennungen durch Strom während der OP). Herausnehmbare Zahnprothesen müssen entfernt und auf der Station gelassen werden (Gefahr durch Behinderung der Atemwege). Falls erforderlich erfolgt eine Rasur im Operationsgebiet.

  • Prämedikation

    Die Prämedikation bezeichnet die Gabe von Medikamenten in Tablettenform (orale Applikation), die der Patient am Operationstag auf der Station etwa 30 bis 45 Minuten vor der OP einnimmt. Die Medikamente sind zur Beruhigung (Sedierung), gegen Schmerzen (Analgetika) und Übelkeit (Antiemetika).

  • Transport in den OP

    Die Schwestern/Pfleger der Station bringen den zu operierenden und sedierten Patienten mit dem Bett in den Operationsbereich. Zunächst wird der Patient über eine Schleuse (Förderband) in den OP auf den OP-Tisch eingeschleust. Anschließend geht es in den Vorbereitungsraum der Anästhesie (Einleitungsraum).

  • Narkoseeinleitung

    m sogenannten Einleitungsraum erhält jeder Patient, in der Regel in örtlicher Betäubung, eine Infusionsverweilkanüle in eine Hand- oder Armvene. Hierüber werden Beruhigungs-, Narkose- und Schmerzmittel gegeben. Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient in den Operationssaal gefahren.

  • OP-Vorbereitung / Operation

    Der narkotisierte Patient wird im OP-Saal für die Operation vorbereitet. Die Lagerung zur OP erfolgt durch die hierfür verantwortlichen Ärzte der Chirurgie. Der Anästhesist überwacht und kontrolliert insbesondere die Lagerung von Kopf und Armen. Der Kopf wird mit einem speziellen Lagerungskissen unterlegt und die Arme werden in eine Gelmatte eingewickelt, um Lagerungsschäden durch Druck auf Nerven zu vermeiden.

    Bei Operationen der Schilddrüse kommt ein Vakuumkissen zum Einsatz, um Kopf und Halswirbelsäule besonders zu schützen. In die Augen werden bei Vollnarkosen eine Salbe oder Gel eingebracht, um eine Hornhautaustrocknung zu vermeiden.

    Nach der Operation verbleibt der Patient so lange im OP-Bereich, bis er sowohl ansprechbar und schmerzfrei, als auch Atmung und Kreislauf stabil sind. Am Ende der Operation unter Vollnarkose erhalten die Patienten in der Regel nochmals Medikamente gegen Schmerzen und Übelkeit. Bei Regionalanästhesien ist dies meistens nicht erforderlich.

  • Postoperative Betreuung

    Nach großen chirurgischen Eingriffen oder bei schweren Vorerkrankungen erfolgt die postoperative Überwachung auf der Intensivstation. Eine direkte Verlegung auf die Station hingegen erfolgt bei unkompliziertem operativem Verlauf. Nach Regionalanästhesien kann der Operierte sofort trinken und essen, soweit der Eingriff dieses zulässt. Nach Vollnarkosen darf nach etwa 1 bis 2 Stunden getrunken und nach 2 bis 3 Stunden wieder gegessen werden, sofern der Eingriff keine Nahrungskarenz erfordert.

  • Postoperative Schmerztherapie

    Der frisch Operierte erhält eine kontinuierlich laufende Infusionen mit einem  Schmerzmittel zur Vermeidung von postoperativen Schmerzen. Sollten hierunter unangenehme Beschwerden auftreten, kann der Patient beim Pflegepersonal ein starkes Schmerzmittel als Kurzinfusion anfordern.

    Nach Regionalanästhesien oder kleineren chirurgischen Eingriffen erfolgt die Schmerztherapie meistens als Bedarfsmedikation in Form von Tropfen oder Tabletten zum Einnehmen.

    Bei erwartungsgemäß starken postoperativen Schmerzen erhalten unsere Patienten schon vor der Operation einen Schmerzkatheter. An diesen wird nach der OP eine Schmerzpumpe angeschlossen, um kontinuierlich ein Betäubungsmittel an die Nerven des betroffenen OP-Gebietes heranzubringen und somit den Schmerz zu unterdrücken. Der Schmerzkatheter bleibt meistens für 1 bis 3 Tage nach dem Eingriff liegen (bei Bedarf auch länger) und wird jeden 2.Tag neu verbunden.