Nebenschilddrüsen

Die Nebenschilddrüsen sind kleine reiskorn- bis linsengroße Drüsen. Sie verdanken ihren Namen ihrer anatomischen Lage, denn sie liegen normalerweise direkt neben der Schilddrüse an der hinteren Schilddrüsenkapsel. In den Nebenschilddrüsen wird Parathormon gebildet. Dieses Hormon steuert über verschiedene Mechanismen die Blutkonzentration von Kalzium und anderen Spurenelementen. Kalzium wiederum beeinflusst die Nerven- und Muskelfunktion sowie den Knochenstoffwechsel. Bei einem Mangel an Parathormon (Hypoparathyreoidismus) kommt es u.a. zu einem Abfall der Kalziumkonzentration im Blut. In der Folge können Missempfindungen, Kribbelgefühle, Muskelkrämpfe und andere Symptome auftreten.

Da die Nebenschilddrüsen oftmals sehr nahe oder gar in der Schilddrüse selbst liegen, können sie bei einer Schilddrüsenoperation unbeabsichtigt beschädigt oder aus Versehen entfernt werden. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, werden die Nebenschilddrüsen bei einer Schilddrüsenoperation in unserer Klinik zuerst eindeutig lokalisiert und durch eine vorsichtige Operationstechnik bestmöglich geschont.

Manchmal haben die kleinen Nebenschilddrüsen allerdings keine eigenständige Blutversorgung, sondern werden von Blutgefäßen der Schilddrüse versorgt. Dann kann es nach dem Entfernen der Schilddrüse zu einer Minderdurchblutung der Nebenschilddrüse kommen. Wenn eine solche Nebenschilddrüse nicht mehr ausreichend durchblutet ist, wird im St. Agatha versucht, die Funktion einer minderdurchbluteten Schilddrüse durch eine sogenannte Auto-Replantation zu retten. Dann wird eine minderdurchblutete Nebenschilddrüse komplett entnommen, in viele kleine Gewebestücke zerteilt und dieser „Gewebebrei“ dann in eine gut durchblutete kleine Muskeltasche im OP-Feld wieder eingepflanzt. Der Patient selbst merkt von dieser Maßnahme nichts. Wenn das Nebenschilddrüsengewebe eingewachsen ist, wird auch an der neuen Stelle Parathormon gebildet.

Es ist auch möglich, dass Nebenschilddrüsengewebe bei großer Kälte eingefroren, aufbewahrt und zu einem späteren Zeitpunkt erfolgreich wieder eingepflanzt wird (Kryokonservierung).

Insgesamt haben die Nebenschilddrüsen ein enormes Erholungspotential. Unter günstigen Bedingungen kann sogar eine einzige gut funktionierende Nebenschilddrüse nach einer gewissen Anpassungszeit eine ausreichende Hormonproduktion sicherstellen. Dies kann jedoch einige Wochen bis Monate dauern. Bis zur Normalisierung der Parathormonproduktion  werden dem Patienten Kalzium-Tabletten und manchmal auch noch ein Vitamin-D-Präparat verschrieben. Es ist wichtig, dass das verbliebene Nebenschilddrüsengewebe auch zur Hormonproduktion angeregt wird. Dazu wird die Kalzium- und Vitamin-Dosis probeweise Schritt für Schritt reduziert. Im Verlauf zeigt sich dann, ob eine dauerhafte Behandlung mit Calcium und / oder Vitamin-D-Tabletten erforderlich ist.

Im St. Agatha Krankenhaus werden die Kalzium- und Parathormon-Spiegel im Blut nach jeder Schilddrüsenoperation routinemäßig am 1. Tag nach der Operation bestimmt.

Das Risiko für eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddrüse hängt im Wesentlichen von der Ausdehnung der Schilddrüsenoperation (einseitig vs. beidseitig, Teil.- vs. Komplettentfernung, zusätzliche Lymphknotenentfernung beim Krebs) und von der operativen Erfahrung des Chirurgen ab. Diese ist im St. Agatha Krankenhaus sehr hoch, so dass die Rate für einen dauerhaften postoperativen Hypoparathyreoidismus trotz eines überdurchschnittlich großen Anteils an ausgedehnten Operationen erfreulicherweise unter 1% liegt.